Forschung

Forschung

Da unsere Forschung neben der Vermittlung von Wissen hauptsächlich unserem Erkenntnisgewinn zur besseren Erledigung unserer Arbeit dient, sind auch die Schwerpunkte entsprechend gesetzt. Dieser Umstand und ein gewisser Qualitätsanspruch führen dazu, dass Veröffentlichungen unserer Forschungsergebnisse erst dann stattfinden, wenn wir es für sinnvoll halten und die praktische Arbeit es zulässt.

Infolgedessen lehnen wir grundsätzlich abhängige Auftragsforschung ab und sind klar einer unabhängigen objektiven Grundlagenforschung zugewendet. Um ein Forschungsthema im Bereich Grundlagenforschung bearbeiten zu können, darf einer objektiven offenen Herangehensweise nichts im Wege stehen. Der mögliche Erkenntnisgewinn muss aus Sicht der Wissenschaft festgestellt werden.

 

Forschungsschwerpunkte - Themen

  • Entwicklung und Evaluierung zuverlässiger Indikatoren für umweltbewusstes Handeln politischer Gemeinden
  • Interkommunale Zusammenarbeit
  • Trittsteinbiotope

 

 

Zusätzlicher Erkenntnisgewinn aus dem Freilandlabor

In der Ökologie wird der Einfluss des Menschen auf Ökosysteme als Hemerobie bezeichnet und lässt sich in etwa mit dem Wort "Kultureinflussstärke" übersetzen.

Unserem Büro stehen zwei Biotope in von Stadtentwicklung beeinflussten Bereichen zur Beobachtung und Pflege zur Verfügung; es handelt sich um 2 Biotoptypen auf sehr unterschiedlichen Standorten:

 

  1. Obstwiese in besiedeltem historischem Flussbett über entwässertem kalkhältigem Auboden im Naturraum "Kärntner Becken" inmitten eines, sich im Strukturwandel befindlichen, dörflich geprägten Stadtgebiets. Leitbild: strukturierte Streuobstwiese mit entsprechender Altersdurchmischung und weiterem Pflanzverband der Obstbäume
  2. Inselartiger Robinienforst mit einem Anteil an potentiell natürlichen Baumarten auf teils lössbedeckten Kiesen und Sanden der Urdonau im niederösterreichischen Weinviertel an einem Stadtrand. Arten der aktuellen Roten Listen wie Zwerg-Mandel und Steinweichsel sind vorhanden. Der Forst grenzt an eine Gewerbefläche die der Aufbereitung und dem Transport von Baustoffen dient (Naturraum "Pannonisches Flach- und Hügelland"). Leitbild: standortsgerechter Steppenwald

 

Mit geeigneten Pflegemaßnahmen unterstützen wir hier die Entwicklung der beiden Lebensräume hin zu ökologisch wertvolleren Flächen. Diese zwei Parzellen grenzen vor Ort an so unterschiedliche Nutzungen wie Wohnen, Brache, Ackerland und Gewerbe.

Der Einfluss des Menschen auf Ökosysteme wird an solchen Standorten besonders gut sichtbar; im Gegenzug wird aber auch die Wirkung und der Nutzen von funktionierenden Ökosystemen auf und für den Menschen in Form sogenannter "Ecosystem Services" offensichtlich.

Obstwiese als ökologisch wertvoller Splitter in einem von Strukturwandel geprägtem Stadtteil
Robinienforst auf stark anthropogen geprägtem Steppenwald-Standort
Suburbanisierung bewirkt unverhältnismäßigen Flächenverbrauch am Stadtrand
Potentieller Nutzungskonflikt

 

Es liegt in diesem Zusammenhang nahe, den Raumplanungs-Strategien zur Steuerung des Wachstums von Siedlungsräumen nachzugehen. Denn sowohl die Befolgung als auch die "Nicht-Befolgung" solcher Strategien durch Entscheidungsträger hat Einfluss auf unsere Umgebung. Jede der möglichen Vorgehensweisen wirkt innerhalb einer Siedlung sowie außerhalb von Siedlungen auf: die Häufigkeit und Qualität von Nutzungskonflikten; Grünflächen, die der Erholung, Versickerung und Temperaturregulierung dienen; den Erhalt von ökologisch wertvollen Flächen; die notwendigen Agrarflächen für die Ernährung; den Zustand von Luft und Boden.

Bodenverbrauch ist dabei ein inhärentes Thema. Folgen für den Menschen sind bei Veränderung der genannten Faktoren evident. Intelligente Lösungsansätze sind vorhanden.

 

Fazit

Es ist folgerichtig die Einhaltung der Raumordnungsgesetze samt der anderen raum- und umweltrelevanten Rechtsvorschriften zu kontrollieren und entsprechende Richtlinien umzusetzen. Wie stark dieser Vorgang seitens der Behörden ausgeprägt ist, hängt unter anderem von den jeweils aktuellen politischen Rahmenbedingungen ab. Daher sollte die Befolgung der betroffenen Regelungen auch von der Fachwelt kontrolliert und auf Missstände aufmerksam gemacht werden. Eine standortsspezifische Evaluierung kann jedenfalls als wertvolles Feedback für eine gute Raumplanung zu besseren Planungsentscheidungen beitragen. Für viele Gemeinden wäre hier ein langfristiger Schaden abwendbar.

Will man Lebensqualität aufrecht erhalten, so ist es zwingend notwendig die Raumplanung in Verbindung mit ihrem Einfluss auf Ökosysteme zu begreifen (holistischer Ansatz). Dieser Zusammenhang wird schon lange beobachtet und in den Raumordnungsgesetzen unmissverständlich hergestellt; Erkenntnisse dazu sind vorhanden; entsprechende Handlungsweisen in den Gemeinden müssen aber meist erst entwickelt und etabliert werden. Die Klarheit in der Wissenschaft ist eminent.

 

Versiegelung, intensive Bewirtschaftungsformen oder Nährstoffeintrag durch Emissionen sind nicht nur Zeichen wirtschaftlicher Entwicklung, sie sind auch gleichzeitig einige der ungünstigen Faktoren innerhalb der begrenzten Ressource „Raum", die Veränderungen an Bodeneigenschaften, Vegetation und Luftqualität herbeiführen und somit sämtliche Organismen und deren Lebensräume beeinflussen. Wird aus kommunalpolitischer Sicht hier nicht Maß gehalten und werden Kontrollfunktionen vom Land nicht wahrgenommen, so kann dies naturräumliche sowie daraus resultierende wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Folgen verursachen.

Schlüsselfiguren in Politik und Wirtschaft rechtfertigen Erweiterungspläne oftmals mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. Zu oft aber wird in diesem Zusammenhang den Einzelinteressen politisch zum Durchbruch verholfen und auf ein kritisches Hinterfragen der gewählten Dimension des jeweiligen Projektes verzichtet; raumplanerische Expertise wird häufig ignoriert oder ist nicht in angemessenem Ausmaß vorhanden. Es überrascht nicht, dass solche inkorrekten Abläufe fachlich problematische Entscheidungen herbeiführen. Eine Folge dieser Umstände ist der unkontrollierte Verbrauch von Landschaftsraum. Die in Aussicht gestellten Arbeitsplätze sind vorhergesagt und daher üblicherweise schwer verifizierbar; gesichert ist hingegen nahezu immer der durch Überbauung irreversibel geschädigte natürliche Boden. Die Art der Nutzung der versiegelten Flächen bleibt dann für eine unbestimmbare Anzahl an Generationen eingeschränkt, sei es wegen der nun fixierten und schwer rückgängig zu machenden Nutzung oder dem Faktum, dass zur Neubildung von einem Zentimeter Boden ungefähr einhundert Jahre notwendig sind. In der Folge entziehen sich diese Flächen sehr langfristig einer womöglich besseren Nutzung im Sinne des Gemeinwohles. Dies stellt einen dauerhaften Verlust an Möglichkeiten dar, auf die raumbezogenen Bedürfnisse der Menschen vor Ort reagieren zu können.

Ist dieser politisch gestützte und limitierende Vorgang, des unbeschränkten Verbrauches von Landschaft durch Einzelinteressen, regional die "übliche Praxis", so verringert er zwangsläufig das zukünftige Potential der betroffenen Gegend hinsichtlich Siedlungsraum, Grünland und sinnvoller Arbeitsplätze; die Biodiversität naturnäherer Lebensräume im Einflussbereich der genannten Entwicklungen nimmt ab und schmälert somit die Ökosystemleistungen. Veränderte Lebensbedingungen solcherart können Abwanderung ansässiger Bevölkerung und Verödung auslösen.

Hier geht es um sehr lange Wirk-Zeiträume, die übliche Trends, Amtsperioden und aktuelle Sichtweisen maßgeblicher Organe weit überschreiten. Die häufig weit in der Zukunft liegenden Folgen sind schwer zu visualisieren und oft nur von Fachleuten zu erkennen. Gemeinden und Länder sind somit gefordert Entscheidungen zu treffen, die auf gesteigerter fachlicher Expertise basieren, entsprechenden Weitblick erkennen lassen und sich vor allem im Rahmen der Gesetze und deren eigentlichen Intentionen bewegen. Man würde sich so keiner intelligenteren Wege für die Bevölkerung berauben.

 

Ganz im Sinne von "Nur was man wirklich kennt, lernt man zu schätzen und will man schützen" zeigt die Erfahrung, dass fachliche Schulungen für abstimmende Landes- und Gemeindeorgane ein Lösungsansatz wären.

 

Im Sinne des Gemeinwohles muss Raumplanung und Politik auf die Bedürfnisse der Menschen Rücksicht nehmen; zugleich dürfen Interessen einzelner Personen oder gesellschaftlicher Gruppen dem nicht entgegenstehen und keinen Schaden für die Gesamtheit verursachen. (vgl. K-ROG § 2 Abs. 2 Nr. 6). Demzufolge sollte es auf der Hand liegen, die Bürger in raumbedeutsame Entscheidungen frühzeitig miteinzubinden.

 

Künstliche Bedürfnisse, die durch Marketing erst generiert werden, beziehungsweise dem Zeitgeist entsprechen, könnten angesichts des langfristigen Laufes der Dinge leichter beurteilt und eventuell als kontraproduktiv erkannt werden, wenn Bewusstseinsbildung im Sinne von Raumplanung und Ökologie stattfände. Es ist anzunehmen, dass durch solch eine Sensibilisierung ein zwangsläufiger noch fundamentalerer Verzicht auf Lebensqualität, einschließlich Raum, in der Zukunft vermieden werden kann. Unsere Arbeit soll unter anderem ein Bewusstsein für die erwähnten Themen und deren Lösungen befördern.